studium generale - Das 20. Jahrhundert, Teil 2

zurück



Kurs in den Warenkorb legen
Kurs hat bereits begonnen, Anmeldung noch möglich!

Dienstag, 03. März 2020 um 19:30 Uhr

Kursnummer O101000
Dozenten Dr. Volker Benad-Wagenhoff
Prof. Dr. Matthias Benad
Gero Fuhrmann
Prof. Dr. Marie-Luise Recker
Prof. Gerhard Müller-Hornbach
Prof. Dr. Harald Schwalbe
Georg Herzberg
Friedrich Christian Delius
Christian Metz
Dr. Tina Kubot
Dr. Rolf Wiggershaus
Dr. Anna Märker
Prof. Dr. Norbert Abels
erster Termin Dienstag, 03.03.2020 19:30–21:15 Uhr
letzter Termin Dienstag, 07.07.2020 19:30–21:15 Uhr
Gebühr 240,00 EUR
Ort

Bad Homburg, StadtBibliothek
Dorotheenstraße 24
61348 Bad Homburg

Bad Homburg, Hölderlin-Schule
Hessenring 156
61348 Bad Homburg

Schlosskirche
Schloss
61349 Bad Homburg

Kursort

Kurs weiterempfehlen


studium generale
Das Abendland, seine Epochen und Umbrüche in 10 Semestern
Das 20. Jahrhundert II

Die wichtigsten Epochen werden von allen Seiten beleuchtet, ihre Geschichte, Kunst, Musik, Literatur, Theologie, Recht, Technik, Philosophie und Wissenschaft sind Themen der einzelnen Vorlesungen.

Das studium generale der Vhs Bad Homburg wendet sich an alle, die als junge Leute einen weiten Blick in die Welt der Geschichte und der Wissenschaften werfen, als Berufstätige über ihre Spezialisierung hinausblicken und ihre Allgemeinbildung erweitern oder als nicht (mehr) Berufstätige sich Wissensgebieten zuwenden möchten, für die sie sich „schon immer mal“ interessiert haben.
Die Dozenten kommen von Hochschulen, Universitäten, Museen und aus der Praxis.
Auch im 10. Semester ist der Einstieg noch sinnvoll. Das studium generale wird nämlich im Herbst mit dem Semester zur Vor- und Frühgeschichte seinen 3. Durchgang beginnen.
Anmeldungen sind auch noch möglich, wenn die Vorlesungen schon begonnen haben.

Konzept und Organisation: Gero Fuhrmann
Kontakt: E-Mail Senden, Tel.: 0170 3 49 4040

10. Semester: Das 20. Jahrhundert II

Eröffnungsveranstaltung

in Zusammenarbeit mit der StadtBibliothek Bad Homburg
Dienstag, 03. März 2020, 19:30 Uhr in der StadtBibliothek, Dorotheenstraße 24

Friedrich Christian Delius liest aus seinem Buch „Die Zukunft der Schönheit“
Zum Buch:
Am 1. Mai 1966 gerät ein junger Deutscher aus der hessischen Provinz in einen New Yorker Jazzclub, es spielt der Saxophonist Albert Ayler. Befremdet, beleidigt, beschwingt von der unerhörtesten Musik jener Zeit, beginnt der junge Mann, das ganze unheilvolle Durcheinander der Gegenwart aus diesen Tönen herauszuhören, den Mord an Kennedy, den Vietnamkrieg, den Börsenlärm, den Kampf der Schwarzen, die Studentenproteste. Je mehr er sich einlässt auf die wilde Musik, desto näher kommt der angehende Dichter sich selbst, bis zum verdrängten Schmerz eines Vaterkonflikts, der von einem anderen Jazzkonzert ausgelöst wurde, und zu den peinlichen, pubertären Anfängen seines Schreibens. Gebannt von Aylers Improvisationsräuschen, begreift der junge Mann in einem hellsichtigen Assoziationstaumel die revolutionäre Energie, die in Wachheit und Wut steckt. Diese Musik lässt ihn körperlich fühlen, wie Zerstören und Zersetzen der Beginn alles Schönen sein kann und die Kunst das Rettende wird. Eine autobiographische Erzählung von Friedrich Christian Delius, die den Aufbruchsgeist einer ganzen Epoche beschwört.
Zum Autor:
Friedrich Christian Delius, geboren 1943 in Rom, in Hessen aufgewachsen, lebt seit 1963 in Berlin. Seine Werkausgabe im Rowohlt Taschenbuch Verlag umfasst derzeit achtzehn Bände. Friedrich Christian Delius wurde unter anderem mit dem Fontane-Preis, dem Joseph-Breitbach Preis und 2011 mit dem Georg-Büchner-Preis geehrt.
(Texte: Rowohlt-Verlag)


Vorlesungen zum studium generale
Jeweils dienstags um 19:30 in der Hölderlin-Schule, Bad Homburg, Hessenring 156

10. März
Prof. Dr. Matthias Benad
Religiöse Anschauungen, Weltgestaltung und Säkularisierung in der Moderne
am Beispiel der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel im 20. Jahrhundert
Bei genauem Hinsehen erweist sich die verbreitete Erzählung von der zunehmenden Säkularisierung und dem Rückgang der Religion als wenig geeignet, die höchst komplexe Wirklichkeit zu erfassen. Zu unterschiedlich sind religiöse Prägungen, Organisationsformen und soziale Milieus, die sich bilden und verflüchtigen. Die Verhältnisse werden vielfältiger, zumal religiöse Kulturen einwandern und sich weiterentwickeln.
In dieser Vorlesung soll Bethel als Beispiel milieugebundener evangelischer Frömmigkeit mit hohem sozialen Wirkungsgrad vorgestellt und seine „Verweltlichung“ beschrieben werden. Gegründet 1867 von bibelfrommen Kreisen als Rheinisch-Westfälische Anstalt für Epileptische, wuchs es unter der Leitung des Charismatikers Friedrich v. Bodelschwingh d. Ä. bis 1900 zu einer Kleinstadt für Menschen mit Behinderungen heran – als christlicher Gegenentwurf zur sündhaften Welt mit ihren politischen, ökonomischen und sozialen Verwerfungen.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gerieten die „Anstalten“ in eine Krise, als der Diakonissennachwuchs ausblieb und nur noch wenige junge Männer Diakone werden wollten. Ab 1968 wurde „weltliches“ Personal eingestellt, die „Stadt der Barmherzigkeit“ wandelte sich einen evangelischen Wohlfahrtskonzern. So ist Bethel nicht nur ein beeindruckendes Modell für das Zusammenwirken von religiöser Anschauung und Weltgestaltung, sondern auch für Säkularisierung in der Moderne. Die angesprochenen Entwicklungen werden skizziert, in weitere historische Zusammenhänge gestellt und theoretisch beleuchtet.

17. März
Prof. Dr. Marie-Luise Recker
Die Bundesrepublik Deutschland - eine Erfolgsgeschichte?
Nach den Abgründen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wird die Geschichte der Bundesrepublik als Erfolgserzählung gesehen. Ihre Entwicklung handelt von einem erstaunlichen Aufstieg, der westdeutsche Staat wurde im Kalten Krieg zu einem Anker der Stabilität, er entfaltete seit den 1960er Jahren eine neue Dynamik hin zu einer weltoffenen Gesellschaft und garantierte Wohlstand und soziale Sicherheit. Wie wurden die Grundlagen hierfür gelegt? Welche Rolle kam hierbei den Alliierten und der deutschen Seite zu? Diesen Fragen soll in dem Vortrag nachgegangen werden.

24. März
Georg Herzberg
Utopie und Untergang. Kunst in der DDR.
Ausgehend von der Düsseldorfer Ausstellung gleichen Titels wird unter vorsätzlicher Missachtung sämtlicher Genregrenzanlagen entlang ausgewählter künstlerischer Positionen eine Übersichtsdarstellung der DDR-Kunst von 1949-1990 unternommen.

31. März
Dr. Volker Benad-Wagenhoff
Der Panzer und der „German Way of War“ im II. Weltkrieg
Feldzüge, die „kurtz und vive“ geführt werden (Friedrich II), waren eine Erfolgsformel des ressourcenarmen preußischen Militärstaates. 1914 aber endete das im Grabenkrieg der Westfront. 1916 setzten die Briten dort zum ersten Mal Panzer ein, um Initiative und Bewegung zurückzugewinnen. Zwischen den Kriegen entwickelten nur Reichswehr und Rote Armee diese neue Waffe und ihre Taktik weiter. Dem III. Reich ermöglichte das seit 1939 herausragende militärische Erfolge und die Unterwerfung und Ausmordung weiter Teile Europas. Erst seit Ende 1942 erzwangen die wachsende Kriegserfahrung der Alliierten und ihr enormes Wirtschaftspotential den Rückzug und schließlich die Kapitulation Deutschlands.

Samstag, 4. April 2020, 19.30 Uhr, Unterkirche der Erlöserkirche
Sonderveranstaltung in Zusammenarbeit mit der Erlöserkirche Bad Homburg

Pater Klaus Mertes SJ
Einführungsvortrag zur szenischen Johannespassion von Johann Sebastian Bach:
„Die Freiheit, die Fesseln trägt“
Unter diesem beziehungsreichen Titel führt der Bachchor Bad Homburg die Johannespassion von Johann Sebastian Bach auf. Zwischen die einzelnen Teile dieses Werks, das zu den bedeutendsten und ergreifendsten Werken der Musikgeschichte gehört, werden Texte aus den Akten des Prozesses vor dem NS-Volksgerichtshof in Berlin eingefügt, den Roland Freisler am 10. Januar 1945 gegen den Protestanten Helmuth James Graf von Moltke und den Katholiken Pater Alfred Delp SJ führte. Beide Widerstandskämpfer wurden wegen ihrer konsequenten, unbeugsamen christlichen Haltung hingerichtet. Moltke und Delp hätten darüber nachgedacht, wie ein sich auf sittliche und demokratische Grundsätze zurückbesinnendes Deutschland in einer Zeit nach Hitler entstehen könnte – dieser Vorwurf rechtfertigte in den Augen Freislers ein Todesurteil.

75 Jahre nach dem Tod der beiden Märtyrer verknüpft die szenische Aufführung der Johannespassion, die der Theologe Pater Klaus Mertes SJ und der Schauspieler Till Krabbe konzipiert haben, den Prozess Jesu vor Pilatus mit dem Prozess dieser beiden aufrechten Männer vor dem unmenschlichen Naziregime. Klaus Mertes schreibt dazu: „Die Gewöhnung an Bachs großartige Komposition kann dazu führen, dass die Passion lediglich zur kulturellen Preziose verkommt. Die Erschütterung, die das Werk auslösen soll, kann nur wiederholt werden, wenn es nicht bloß wiederholt wird.“

Die Aufführungen finden in der Erlöserkirche am
Palmsonntag, 05.April und Karfreitag 10. April jeweils um 17:00 Uhr statt.
Eintrittskarten (nicht includiert) u.a. bei Tourist Info und Service im Kurhaus oder unter  www.bachchor-badhomburg.de.

21. April
Dr. Rolf und Renate Wiggershaus
Die Frankfurter Schule und die Krise des Verhältnisses von Gesellschaft und Natur
„Frankfurter Schulen“ wissenschaftlicher Art gab es mehrere. Doch wenn heute von “Frankfurter Schule“ die Rede ist, denkt man als erstes an die kritische Gesellschaftstheorie der Anfang der 1950er Jahre aus dem US-Exil nach Deutschland zurückgekehrten Philosophen und Soziologen Max Horkheimer und Theodor W. Adorno. Kritische Gesellschaftstheorie – das steht für ein interdisziplinär angelegtes Projekt mit zeitdiagnostischem Anspruch und streitbarem öffentlichen Engagement. Verbindendes Element ist das Leitmotiv eines sich krisenhaft zuspitzenden Verhältnisses von moderner Gesellschaft und Natur. Die Vorlesung spannt einen Bogen von dem noch im US-Exil entstandenen philosophischen Jahrhundertwerk „Dialektik der Aufklärung“ von Horkheimer und Adorno bis zu den Überlegungen von Jürgen Habermas zur biotechnologischen Verfügbarmachung der menschlichen Natur.

28. April
Dr. Tina Kubot
Kommunikation für alle - Die Entwicklung der elektronischen Massenmedien im 20. Jahrhundert
Im Verlauf des 20. Jahrhunderts änderte sich unser Kommunikationsverhalten grundlegend. Mit der Entdeckung der Informationsübertragung mittels elektromagnetischer Wellen entfiel die Notwendigkeit, eine Botschaft physikalisch von einem Ort zum anderen befördern zu müssen. Neue Technologien beschleunigten den Nachrichtenverkehr und revolutionierten dadurch das Verständnis von Raum, Zeit und Gesellschaft. Massenmedien machten Informationen jederzeit und überall verfügbar und führten zu neuen Kommunikationsmustern und sozialen Praktiken. Die immer bessere Verfügbarkeit von Informationen beschleunigte ihrerseits die Entwicklung und Adaption neuer Technologien. In dieser Vorlesung werden die wesentlichen Entwicklungen der Technik- und Kulturgeschichte betrachtet, die die Entwicklung vom Rundfunk für alle über das Global Village bis hin zur Always-On Gesellschaft abbilden.

5. Mai
PD Dr. Christian Metz
Deutschsprachige Lyrik von 1945 bis zur Gegenwart
Die Vorlesung zeichnet die wichtigsten Tendenzen nach, die sich in der Lyrik der vergangenen 75 Jahre entfaltet haben. In der unmittelbaren Nachkriegszeit avanciert das Gedicht zum literarischen Medium der Stunde: man hat nichts. Aber man braucht auch so gut wie nichts, um ein Gedicht zu schreiben. Drei unterschiedliche Stimmen überlagern sich in der lyrischen Aufbruchsstimmung nach 1945: jene der älteren Generation, die sich aus dem Exil zu Wort meldet oder ihre Arbeit in Deutschland wieder aufnimmt, jene Stimmen der jungen Generation, die den Krieg überlebt hat, noch nie zuvor geschrieben hatten und jetzt zu veröffentlichen beginnt und vor allem die Stimme des sogenannten „Überlebenden“ Paul Celan, dessen Lyrik am dringlichsten die Frage „Lyrik nach Auschwitz?“ herausfordert. Von diesem vielstimmigen Anfangspunkt aus verfolgt die Vorlesung die neuen avantgardistischen Ausfaltungen der Lyrik von der Konkreten Poesie zur „Neuen Subjektivität“, von den Poetiken der DDR-Lyrik zur Prenzlauer-Berg-Bewegung, von den einzelgängerischen Avantgardisten zur Lyrik der Gegenwart. Füllte Ingeborg Bachmann mit ihrer Lyrik noch große Hallen, nahm im Laufe der Jahre das öffentliche Interesse ab. Erst seit der Jahrtausendwende gewinnt die Lyrik in der literarischen Öffentlichkeit wieder an Aufmerksamkeit. Mit einem Blick die so genannte Neue Berliner Avantgarde schließt der Überblick ab.

12. Mai
Prof. Dr. Norbert Abels
Zum Werk Benjamin Brittens
In Benjamin Brittens Kompositionsvielfalt spiegelt sich das gesamte musikalische Spektrum der Moderne.
Nach Jahrzehnten des Stillschweigens und Ignorierens erobert in jüngster Zeit Benjamin Brittens Musiktheaterwerk die deutschen Bühnen. 1913 in East Anglia (Suffolk) geboren, wird er nunmehr zu Recht als der bedeutendste englische Tonsetzer des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Er war ein vielseitiger Komponist mit einem außergewöhnlich großen Werk für das Musiktheater – darunter die Opern Peter Grimes, Midsummernight’s Dream, Death in Venice, Albert Herring, The Turn of the Screw und Billy Budd. Brittens sinfonische und kammermusikalische Musik, seine „Churchparabels“ (Kirchenopern), aber auch seine Kompositionen für Kinder kommen hinzu, ebenso ein höchst facettenreiches, weltliches und geistliches Chorwerk; schließlich das berühmte War Requiem, geschrieben in Gedanken an die Opfer der entsetzlichen deutschen Bombardements und zur Unterstützung der zerstörten Coventry Cathedral.

19. Mai
Prof. Dr. Harald Schwalbe
DNA
1953 wurde die Struktur der DNA vom Amerikaner James Watson und vom Engländer Francis Crick bestimmt. Ihre Herangehensweise war das Bauen von chemischen Modellen, die zu einer Vorhersage der DNA-Doppelhelix führte (1). Über die Geschichte dieser Entdeckung werde ich berichten. (1) 2000 wurde das menschliche Genom, also die Abfolge der DNA-Bausteine in den 23 menschlichen Genomen, die unser Erbgut darstellen, von zwei Konsortien entschlüsselt (2). Über die Geschichte dieser Forschung und die Implikationen wird der zweite Teil des Vortrags berichten. Seit einigen Jahren wird verstärkt die Rolle der so genannten Epigenetik, also der Modifikation des Genoms im Verlauf des Lebens, deutlich. Diese aktuelle Forschung wird ebenfalls diskutiert (3).
Literatur
(1)  https://www.nature.com/genomics/human/watson-crick/index.html
(2) a) Science. 2001 Feb 16;291(5507):1304-51. Erratum in: Science 2001 Jun 5;292(5523):1838.
(2) b) Nature 2001 Feb 15;409(6822):860-921.
(2) c)  https://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/sequenziert-menschliches-genom-hat-ausgedehnte-wuesten-a-117223.html
(3)  https://www.wissensschau.de/genom/epigenetik_und_epigenom.php

26.Mai
Dr. Anna Märker
Medizin, Menschenbild und Gesellschaft
Anhand von Fallbeispielen wie der evolutionären Psychologie, der Entwicklung bildgebender Verfahren und der plastischen Chirurgie untersuchen wir, wie die Erkenntnisse und Techniken der modernen Medizin und der Lebenswissenschaften das Selbstverständnis, die Kultur und die Gesellschaft des modernen Menschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägen.

16. Juni
Dr. Volker Benad-Wagenhoff
„The Bomber will always get through“ – Der II. Weltkrieg aus der Luft
Im I. Weltkrieg hatte die Fliegerei eine wachsende Rolle gespielt, bis hin zu Bombenangriffen auf London. In der Zwischenkriegszeit verbreitete sich die Auffassung, dass das Bombardieren von Produktionsstätten, Verkehrsverbindungen und Arbeitskräften zukünftige Großkonflikte entscheiden könne. Die Demoralisierung der Zivilbevölkerung erschien allen Kriegsparteien mindestens akzeptabel, wenn nicht notwendig. Sie entsprang der Logik des totalen Krieges, die schon 1914-18 wirksam gewesen war. Es stellte sich jedoch heraus, dass der Bombenkrieg nicht die erhoffte durchschlagende Wirkung hatte: Bei hohen eigenen Verlusten reduzierte er zwar die Ressourcen des Gegners, erhöhte aber auch dessen Durchhaltewillen.

23. Juni
Prof. Dr. Marie-Luise Recker
Der Weg zur Einheit der deutschen Nation
Die Wiedervereinigung veränderte das Gesicht der Bundesrepublik Deutschland. Der Vortrag schildert den Gang der Ereignisse vom Vorabend der friedlichen Revolution in der DDR bis zur Einheit durch Beitritt, fragt nach den Herausforderungen, Leistungen und Versäumnissen der Wiedervereinigung im politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bereich und benennt die wichtigsten Akteure. Am Ende steht eine kritische Bilanz aus heutiger Sicht.

30. Juni
Prof. Dr. Gerhard Müller-Hornbach
Musik zwischen 1945 und 2000
Nach Beendigung des 2. Weltkrieges kam das Musikleben zunächst nur schleppend wieder in Gang, entwickelte aber zugleich eine ungeheure Dynamik. Der nun wieder möglich gewordene Austausch zwischen den vormals gegeneinander Krieg führenden Nationen stimulierte die schöpferischen Kräfte dazu, einen Beitrag zur Bewältigung der Katastrophe des Krieges zu leisten. Die Frage nach der Möglichkeit von „Schönheit“ in der Kunst wurde vielfach verneint.
Die musikalischen Tendenzen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts lassen sich auch als seismographische Abbilder der gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Entwicklungen verstehen. Dezidiert politisch engagierte Musik wie bei Hans Werner Henze oder Luigi Nono plädiert vehement für soziale Gerechtigkeit. Die spektrale Musik von Komponisten wie Gérard Grisey oder Tristan Murail basiert auf Klangforschung auf höchstem technologischem Niveau und beinhaltet sogleich eine deutliche Hinwendung zu Naturphänomenen. Viele Komponisten gewinnen ihre Inspiration aus der Beschäftigung mit anderen Kulturen und deren Musiktradition. Im Diskurs verschiedenster ästhetischer Standpunkte entstand eine große Pluralität unterschiedlichster Musikformen und -stile, die zunehmend auch die Tendenz zur Globalisierung abbildeten. Einige dieser Entwicklungsstränge wollen wir in den Blick nehmen.

Dienstag, 7. Juli, 19.30 Uhr
Konzert zum Semesterabschluss in der Schlosskirche Bad Homburg

Programm:
Isang Yun (1917 - 1995)
„Intermezzo“ für Violoncello und Akkordeon (1988)

Gerhard Müller-Hornbach (*1951)
„…bis die Schatten der Nacht verdämmern…“ (1996) für Flöte und Schlagzeug

György Kurtag *1926
Az hit (Glaube) aus „Die Sprüche des Péter Bornemisza“ für Cello solo
Árnyak (Schatten) für Cello solo

Giacinto Scelsi (1905 - 1988)
„Pwyll“ für Flöte solo (1954)

Kaija Saariaho *1951
„Mirrors“ (1997) für Flöte und Violoncello

Sofia Gubaidulina *1931
De Profundis (1978) für Akkordeon

Bruce Hamilton *1966
„Interzones“ (Bruce Hamilton) für Vibraphon & Tape


MUTARE ENSEMBLE
Dirk Peppel - Flöte
Eva Zöllner - Akkordeon
Max Gaertner - Schlagzeug
Susanne Müller-Hornbach - Violoncello
Leitung und Moderation - Gerhard Müller-Hornbach

Eine Veranstaltung der Volkshochschule Bad Homburg in Zusammenarbeit mit dem Kuratorium Schlosskirche.
Eintritt 16,00 Euro, ermäßigt 14,00 Euro. Für Teilnehmer des studium generale ist der Eintritt frei. Karten nur an der Abendkasse.

Gebühr für das studium generale: 13 Vorlesungen in der Hölderlin-Schule, Lesung in der Stadtbibliothek und Konzert: 240,00 Euro


Die Dozenten:

Prof. Dr. Matthias Benad
studierte Evangelische Theologie und Germanistik und war als Pfarrer tätig. Er promovierte 1981 und wurde 1987 an der Goethe-Universität Frankfurt am Main mit einer Untersuchung zur Ketzerinquisition in Südfrankreich habilitiert. Nach fünf Jahren als Privatdozent kam er 1992 nach Bethel an die Kirchliche Hochschule und gründete dort 1993 das von ihm geleitete Institut für Diakonie- und Sozialgeschichte. Er ist seit Herbst 2017 emeritiert.

Dr. Volker Benad-Wagenhoff
hat an der TH Darmstadt das Ingenieurdiplom im Maschinenbau erworben und dort später in Technikgeschichte promoviert. Er war lange Jahre Konservator am Technoseum – Landesmuseum für Technik und Arbeit in Mannheim. Thematische Schwerpunkte: Geschichte der Fertigungstechniken u.a. im Maschinenbau und im Münzwesen, Entwicklung der Massenproduktion und Techniksystematik.

Georg Herzberg (Dipl. Geol., M.A. )
leitet das Büro für Wissenschafts- und Museumskommunikation: Denk und Dingwelten in Dortmund. Nach einem studium generale der Geowissenschaften, Philosophie, Kunstgeschichte und Archäologie arbeitet er seit Anfang der 90er Jahre fachübergreifend als freier Kurator, Wissenschafts- und Kunstvermittler in unterschiedlichsten Projekten für zahlreiche Naturkunde-, Kunst- und Archäologiemuseen. Aktuelle Arbeitsschwerpunkte sind Kunstvermittlungsprojekte vor allem für die Kunstsammlung NRW und den Kunstpalast in Düsseldorf, kuratorische Projekte insbesondere für verschiedene Kunstvereine und Galerie der Off-Szene, außerdem Autorenprojekte mit KünstlerInnen, Galerien, Kunstvereinen und Museen, zuletzt (2019) mit Urbane Künste Ruhr.

Dr. Tina Kubot
studierte Elektrotechnik in ihrer Heimatstadt Braunschweig und promovierte nach einem Ausflug in die Industrietätigkeit 2015 in Halbleitertechnologie. Währenddessen entdeckte sie ihre Liebe zur Technikgeschichte und war von 2013 bis 2017 als Kuratorin für Nachrichtentechnik und Elektronik am Deutschen Museum München tätig. Seit 2017 verantwortet sie die Sammlung Mediengeschichte der Museumsstiftung Post und Telekommunikation. Ihr Interesse gilt der objektbasierten technikhistorischen Forschung, insbesondere der Entwicklung von Halbleitertechnologie, Fernsehen und Internet.

Dr. Anna Märker
arbeitet als Senior Lecturer in History of Medicine am Kings College, London. Sie hat Physik und Wissenschaftsgeschichte in Regensburg studiert. In Cambridge machte sie den MPhil in History and Philosophy of Science und an der Cornell University, Ithaca, NY den MA/PHD in Science & Technology Studies. Bevor sie an das Kings College in London ging, arbeitete sie am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin und lehrte an der Oxford Brookes University.

Klaus Mertes SJ
wurde in Bad Godesberg geboren, besuchte nach ersten elf Lebensjahren Auslandsaufenthalt (Marseille, Paris und Moskau) 1966-73 das Aloisiuskolleg in Bonn. Nach dem Studium der Slawistik und Klassischen Philologie in Bonn trat er 1977, mit 23 Jahren, in den Jesuitenorden ein. Es folgten Studien der Philosophie in München und der Theologie in Frankfurt (Katholische Hochschule St. Georgen). 1986 empfing er die Priesterweihe. Nach Abschluss der altphilologischen Studien trat er 1988 in den Schuldienst. Ab 1994 unterrichtete er am Canisius-Kolleg in Berlin, dessen Rektor er von 2000 bis 2011 war. Von 2008 bis 2011 war er qua Amt zugleich Rektor der Kirche Maria Regina Martyrum, der Gedenkkirche der Katholiken in Deutschland für die Opfer des Nationalsozialismus.
Seit 2011 ist Klaus Mertes Direktor des Jesuitenkollegs in St. Blasien im Schwarzwald. 2012 wurde ihm der Gustav-Heinemann-Bürgerpreis „für seinen Einsatz bei der Aufdeckung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche“ und 2013 die Ferdinand-Tönnies-Medaille der Universität Kiel verliehen.

PD Dr. Christian Metz
geboren 1975 in Bad Homburg, Privatdozent in der Germanistik der Goethe-Universität Frankfurt. Nach Jahren als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Frankfurt, war er zuletzt Stipendiat der Humboldt-Stiftung an der Cornell University (USA) und an der LMU in München. Christian Metz ist Literaturkritiker für die »Frankfurter Allgemeine Zeitung«. Im S. Fischer Verlag hat er 2018 das Buch »Poetisch denken. Die Lyrik der Gegenwart« veröffentlicht. Im Frühjahr 2020 erscheint dort seine Studie »Kitzel. Genealogie einer menschlichen Empfindung«.

Prof. Dr. Gerhard Müller-Hornbach
ist Komponist, Dirigent und Pädagoge. Er lehrte von 1981 bis 2016 als Professor für Komposition und Musiktheorie an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main, wo er 2005 das Institut für zeitgenössische Musik (IzM) mitbegründete dessen Direktorium er bis 2016 vorstand.
An der HfMDK leitete er die Kompositionsabteilung und war seit dessen Einrichtung bis 2016 verantwortlich für den Masterstudiengang Internationale Ensemble Modern Akademie.
Er ist Gründer und künstlerischer Leiter des MUTARE ENSEMBLEs und musikalischer Leiter des MUTARE MUSIKTHEATER ENSEMBLEs, mit denen er auf vielen internationalen Podien gastierte.
Er ist Projektverantwortlicher des Projektes „Response – Neue Musik in die Schule“.
Sein kompositorisches Schaffen umfasst von Solowerken und Kammermusik über Orchesterkompositionen und Oratorien bis hin zu Musiktheaterwerken, Filmmusik und Raumkompositionen ein weites Spektrum von Gattungen. Daneben hat er sich auch immer wieder mit der Bearbeitung und Instrumentation von Musik früherer Epochen beschäftigt.
Gerhard Müller-Hornbach wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. (u.a. Rompreis der Villa Massimo, Vaillant-Kompositionspreis der Bergischen Biennale).
2009 wurde ihm vom Bundespräsidenten das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

Prof. Dr. Marie-Luise Recker
studierte Geschichte und Romanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster und wurde 1974 mit der Studie "England und der Donau-Raum 1919–1929. Probleme einer europäischen Nachkriegsordnung" promoviert. 1983 habilitierte sie sich an der Universität Münster mit einer Arbeit zur Nationalsozialistischen Sozialpolitik im Zweiten Weltkrieg und war dort von 1984 bis 1989 Professorin.
Seit 1990 hatte Recker an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität Frankfurt am Main den Lehrstuhl für Neueste Geschichte inne. Inzwischen ist sie emeritiert.
Reckers Forschungsschwerpunkte sind u. a. die britische Außenpolitik, die Geschichte des „Dritten Reiches“ und die Parlamentarismusgeschichte. Sie ist Vorsitzende der Frankfurter Historischen Kommission und Autorin von Band 8 der Enzyklopädie deutscher Geschichte Die Außenpolitik des Dritten Reiches. Von 2012 bis 2018 war sie Vorsitzende der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien.

Prof. Dr. Harald Schwalbe
hat seit 2002 eine Professur für Organische Chemie an der Goethe-Universität Frankfurt inne. Seine Gruppe beschäftigt sich mit der Strukturbestimmung der wesentlichen Moleküle in unseren Zellen: Proteine, RNA und DNA. Diese Forschung ist wichtig zum Verständnis fundamentaler biologischer Regulationsmechanismen, ist aber auch ein wichtiger Bestandteil der struktur-basierten Entwicklung neuer Medikamente. Für diese interdisziplinäre Forschungsrichtung arbeiten Biologen, Biochemiker, Chemiker und Biophysiker in einer großen internationalen Forschungsgruppe am Zentrum für biomolekulare magnetische Resonanz der Universität zusammen.

Renate Wiggershaus
ist Autorin und Literaturkritikerin. Zu ihren Publikationen gehören eine Geschichte der Frauen und der Frauenbewegung und Monographien über Virginia Woolf, Joseph Conrad und Marcel Proust.

Dr. Rolf Wiggershaus
studierte in Tübingen und Frankfurt am Main Philosophie, Soziologie und Germanistik. Er ist als Autor, Journalist und Dozent tätig. Zu seinen Publikationen gehören eine 1986 erschienene lange und eine 2010 erschienene kurze Geschichte der Frankfurter Schule.

Dr. Volker Benad-Wagenhoff Konservator i.R.

Dr. phil. Dipl.-Ing. Volker Benad Wagenhoff

Prof. Dr. Matthias Benad Professor für Kirchengeschichte


Prof. Dr. Marie-Luise Recker Dozentin


Prof. Gerhard Müller-Hornbach Dozent


Prof. Dr. Norbert Abels Dozent

Der Publizist, Dozent und Dramaturg Norbert Abels studierte Literatur- und Musikwissenschaft, Philosophie und Judaistik.

Kurstermine

Dieser Kurs läuft bereits. Vergangene Termine einblenden.

vergangene Termine

# Datum Ort
1. Di., 03.03.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, StadtBibliothek
2. Di., 10.03.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
3. Di., 17.03.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
4. Di., 24.03.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
5. Di., 31.03.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule

anstehende Termine

# Datum Ort
6. Di., 21.04.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
7. Di., 28.04.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
8. Di., 05.05.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
9. Di., 12.05.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
10. Di., 19.05.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
11. Di., 26.05.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
12. Di., 16.06.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
13. Di., 23.06.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
14. Di., 30.06.2020 19:30–21:15 Uhr Bad Homburg, Hölderlin-Schule
15. Di., 07.07.2020 19:30–21:15 Uhr Schlosskirche

nach oben
 

Volkshochschule und Musikschule
Bad Homburg

Elisabethenstraße 4–8
61348 Bad Homburg

E-Mail & Internet

E-Mail Senden
Kontaktformular

Telefon & Fax

Telefon Volkshochschule: 06172/23006
Telefon Musikschule: 06172/9257-13
Fax: 06172/23009

Kontakt & Anfahrt

Anfahrt
Öffnungszeiten

© 2020 Konzept, Gestaltung & Umsetzung: ITEM KG