Bilder, die bleiben: Wie Pressefotografie unsere Sicht auf die Welt prägt
Fotos halten Momente fest, die zu Symbolen ihrer Zeit wurden. Die Reihe stellt Fotograf:innen vor, deren Arbeiten weit über den Augenblick hinauswirken – als Zeugnisse politischer Umbrüche, sozialer Veränderungen und menschlicher Schicksale.
Ihre Bilder beeinflussen bis heute, wie wir Geschichte sehen, erinnern und verstehen.
Kriegsfotografie ist fast so alt wie das Medium Fotografie. Die ersten Aufnahmen entstehen schon im amerikanisch-mexikanischen Krieg. Danach werden alle Kriege mehr oder weniger umfangreich fotografisch dokumentiert. Und so kommt es, dass viele der wichtigsten Bilder des 20. Jahrhunderts Kriegsaufnahmen sind, so wie die vom „Napalm-Mädchen“ oder dem Foto, auf dem Marines das Sternenbanner auf der japanischen Insel Iwo Jima hissen. Sie haben sich in das kollektive Bildgedächtnis unlöschbar eingeprägt. Der Vortrag von Michael Ebert liefert ein umfassendes Bild über die Geschichte der Kriegsfotografie von ihren Anfängen bis in die Jetztzeit.
„Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst“. Dieses Zitat gilt in unserer visuellen Welt stärker als je zuvor – und das ganz besonders auch für Fotos. Bereits im amerikanischen Bürgerkrieg wurden gefälschte Fotocollagen zur politischen Einflussnahme genutzt. Also zieht sich der Foto-Fake wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kriegsfotografie. Heute sehen wir uns durch KI, unkontrollierte soziale Medien und die digitale Verbreitung mit massenhaften Bildfälschungen konfrontiert. Eine Entwicklung, die erst am Anfang steht. In dem reich bebilderten Vortrag beleuchtet der Hochschuldozent, Fotograf und Kurator Michael Ebert die Geschichte des Fakes in der Kriegsfotografie.
Israel und Deutschland verbindet eine historisch belastete, politisch besondere Beziehung. Der Vortrag zeichnet nach, wie sich aus den schwierigen Anfängen der 1950er-Jahre und der Aufnahme diplomatischer Beziehungen 1965 schrittweise eine Partnerschaft entwickelte – begleitet von Kontroversen um Rüstungsexporte, politischer Verantwortung und der von Angela Merkel geprägten Formel der „Staatsräson“. Vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen im Nahen Osten und ihrer Auswirkungen auf Politik und Gesellschaft in Deutschland fragt der Abend, wie sich dieses besondere Verhältnis heute einordnen lässt.
Kaum zu glauben, aber wahr: Johann Wolfgang von Goethe hätte die Fotografie noch kennenlernen können. Denn sechs Jahre vor seinem Tod gelang dem heute weitgehend unbekannten Nicéphore Niépce das erste Bild, das man als Foto bezeichnen kann. Sogar dieses erste „geschossene“ Foto – eine Heliografie – ist bis heute erhalten. Es zeigt den Blick aus seinem Arbeitszimmer, die Belichtungszeit dauerte allerdings eine halbe Ewigkeit. Über Daguerre und Talbot entwickelte sich daraus die Fotografie, wie viele Generationen sie kannten – heute weitgehend abgelöst durch digitales Fotografieren. Der Vortrag erzählt die Geschichte der Fotografie von ihren Anfängen bis in die Gegenwart und stellt bekannte Fotograf:innen wie Ansel Adams, Henri Cartier-Bresson, Edward Steichen, Bernd und Hilla Becher oder Andreas Gursky vor.
Die Fotografie kann in diesem Jahr auf zweihundert Jahre Belichtungsgeschichte zurückblicken und Wetzlar hat mit der Firma Leica einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Geschichte des Mediums geleistet. Bei einem Besuch in der Firma Leica erleben wir im Ernst Leitz Museum die Geschichte der Fotografie und sehen in ausgewählten Fotos, was sich mit diesem „Rolls-Royce“ unter den Kameras abbilden lässt. Die Firma Leitz gehört mit Buderus zu den Schrittmachern auf dem Weg der altehrwürdigen, aber auch extrem verschnarchten Reichsstadt zur Industriestadt. Das Nebeneinander von Industrie- und historischer Fachwerkaltstadt verleiht Wetzlar seinen unverwechselbaren Charakter. Rund um den sogenannten Dom, der eines der besten Beispiele mittelalterlichen Bauens in der Übergangszeit von der Romanik zur Gotik in Deutschland ist, schart sich eines der reizvollsten Altstadtensembles Hessens. Dom und Altstadt werden wir bei einem Rundgang kennenlernen. Und es wäre ein großer Zufall, liefe uns dabei nicht auch ein gewisser Assessor Goethe über den Weg – oder zumindest sein Andenken. Im Lottehaus beschäftigen wir uns mit seiner „Wetzlarer Affäre“ und seinem größten Erfolg auf der Bestsellerliste des 18. Jahrhunderts, mit dem „Werther“. Wenn es die Zeit zulässt, werden wir im Stadtteil Hermannstein noch einen Blick auf den einzigen erhaltenen „Donjon“ Deutschlands, einen mittelalterlichen Wehr- und Wohnturm französischer Prägung, werfen. Abfahrt in Frankfurt-Süd (Diesterwegplatz) um 8:30 Uhr (wenn gewünscht, bitte bei Anmeldung angeben). Abfahrt in Bad Homburg (Bahnhofsvorplatz / Busbahnhof) um 9:00 Uhr.